Sonntag, 21. Oktober 2007

Phat Kat - Carte Blanche


Tracklist:
1. Nasty Ain't It?
2. Get It Started
3. My Old Label
4. Cold Steel feat. Elzhi
5. Danger feat T3 & Black Milk
6. Vessels feat. Truth Hurts
7. Lovely feat. Melanie Rutherford
8. Cash Em Out feat. Loe Louis
9. Game Time
10. Survival Kit
11. Nightmare feat. Guilty Simpson
12. Hard Enuff feat. Fat Ray
13. True Story Pt.2
14. Don't Nobody Care About Us


Release: 8. Mai 2007
Label:
Look Records


Phat Kat, a.k.a. Ronnie Cash, Urgestein der Detroiter Rap-Szene, eng verbunden mit J Dilla und Konsorten, schaffte es trotz seiner langen Karriere bis zum Jahre 2004 nicht, ein Solo-Debut zu veröffentlichen. Dann kam jedoch die "The Undeniable LP", und 3 Jahre später folgt sein zweites Album, "Carte Blanche", mit Produktionen von J Dilla, Black Milk, Young RJ & Nick Speed.

Nachdem mit Black Milk's Popular Demand ja schon ein wellenschlagendes Album seinen Weg aus Detroit gefunden hat, zieht Phat Kat nach. Besonders attraktiv machen dieses Album die 5 Beats des verstorbenen Dilla's, möge er in Frieden Ruhen.
Und mit genau so einem Dilla-Beat fängt das Album an... "Nasty ain't it?" Ja, ist es. Sehr typisch Dilla, sehr düster, ein sehr komplexes Sound-Gerüst, sehr passend für Phat Kat. Das darf man getrost Traum-Start nennen. Auch auf "Get it started" bleibt die Stimmung gleich. "While y'all just gettin' started, no, I ain't finished yet / Ya niggaz is garbage like spam on the internet". Mit dickem Detroit-Sound geht es hochkarätig weiter.
"My old label" ist dann schon einen Tick zu minimalistisch, viel mehr als der Rhythmus ist hier nicht zu finden. Doch trotzdem geht hier noch alles gut. Noch weit erfreulicher ist Dilla-Beat #3, "Cold steel". "I told ya everytime I spit I'm on some classic shit / Ronnie Cash and J Dilla on some massive shit". Besser kann man es nicht ausdrücken, der Beat kommt vom Kaliber Track#1 gleich. "Danger" sollte dann Leuten, die Black Milk's "Sound Of The City" bzw. "Broken Wax EP" kennen, voll und ganz bekannt sein, Black Milk's Gitarrenriff gibt dem Track seine persönliche Note.
Nachdem nun jeder gute Producer mindestens einen Beat zum Besten gegeben hat, heißt es, Bühne frei für Nick Speed. Der versucht, es seinen Vorgängern gleichzutun, doch der Versuch, etwa Dilla's Sound-Atmosphäre in seinen Beat zu kopieren, scheitert. Der Todesstoß wird "Vessels" aber durch Truth Hurts versetzt, die sich im Refrain durch, äußerst unharmonisches, Schreien/Kreischen/Singen ausdrückt, was alles andere als schön ist. Man fühlt sich als wäre man im falschen Film. Aber mit etwas gutem Willen hört man sich hier durch.
Und dass female Hooks durchaus sehr gelungen sein können macht dann anschließend gleich Melanie Rutherford vor. Auf einen "Lovely" Beat rappt Ronnie Cash über diverse Liebschaften. Doch was diesen Track so Lovely macht ist einerseits das Glockenspiel von Young RJ und andererseits Melanie Rutherford, die ihr Können gut auspackt, nicht übertreibt, und mit viel Gefühl eine Lovely Hook schafft.
"Cash em out" hat ein für Black Milk äußerst typisches Voice Sample, und auch sonst sehr typisch BM. Loe Louis liefert nen sehr prägnanten Refrain, was auch hieraus im Gesamtpaket einen gelungenen Song macht. Doch der bis dato beste Track ist wohl eindeutig Dilla #4. It's "Game time", und das ganz wörtlich. Dieser Beat ist wie geschaffen, um an einem Basketball-Court zu laufen. Große Klasse, die 1st Down a.k.a. Kat&Dilla hier liefern.
"Survival kit" darf sich, mit Stolz, Black Milk auf seine Kappe schreiben, auch hier fließt Detroit pur aus den Lautsprechern direkt in die Ohren der Hörer.
Erstaunlich, dass auch der zweite Aussetzer auf diesem Album Nick Speed zuzuschreiben ist. "Nightmare" ist sowohl vom Beat bescheiden, als auch vom Refrain, der hier etwas misslungen klingt. "We's a major label's nightmare / bootleg your own shit, motherfucker, we don't fight fair". Viel besser sind da die 100% Detroit, die einem auf "Hard enuff" entgegenschlagen, Fat Ray tut seinen Teil.
Young RJ schließt mit seinem dritten Beat seine ausgezeichnete Arbeit auf diesem Album ab, "True story pt. 2""Dont nobody care about us", auf dem, wie der Titel schon erahnen lässt, die fehlende Aufmerksamkeit, die Ronnie Cash's Heimatstadt über die Jahre (nicht) bekommen hat, angeprangert wird.
hat sehr viel Soul, kommt sehr entspannt an, und zeigt nochmal, wofür der Sound aus Detroit geliebt wird. Dilla #5, und auch letzter Track des Albums, ist.


Fazit:
Wieso hat Phat Kat nur den riesigen Fehler begangen, Nick Speed auf sein Album losgelassen zu haben. Es scheint fast schon wie Absicht, denn ohne jene 2 Track jenes Producers könnte man hier von einem Top-Album reden. Andererseits retten die andern Beat-Bastler mit ihren Beiträgen die Show, und Phat Kat wird bestimmt nicht mehr behaupten können: "Don't nobody care about us".Es bleibt abzuwarten, wie sich die Detroiter Szene weiterentwickelt und was noch kommen wird. Doch bei dem Output der bis jetzt das Licht der Welt erblickt hat, kann man nur sagen: "We want more!"

Gesamtwertung: 8.2 / 10

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