Dienstag, 30. Oktober 2007

Masta Ace - A Long Hot Summer


Tracklist:
01 The Count
02 Big City
03 Good Ol Love
04 Fats Belvedere
05 Da Grind feat Apocalypse
06 H.O.O.D.
07 The Stoop
08 Beautiful
09 F.A.Y. feat Strick
10 Fats Crib
11 Soda & Soap feat Jean Grae
12 Do It Man feat Big Noyd
13 Bklyn Masala feat Leschea
14 The Proposition
15 Travelocity feat Punch & Words
16 The Ways
17 Wutuwankno feat Edo. G
18 The After Party
19 Oh My God feat Rahzel & The Beatnuts
20 Cellmate
21 Revelations
22 Out Takes (Bonus)

Release: 5. September 2004
Label: Yosumi / M3 Macmil Music



Nachdem Masta Ace mit "Disposable Arts" im Jahre 2001 schon einen Neuzeit-Klassiker veröffentlichte, der im Konzept-Album-Stil eine Story erzählte, folgt nun, 2004, "A Long Hot Summer", das die Geschichte vor DA erzählt. Mit dabei sind Gleichgesinnte wie Jean Grae, Wordsworth oder Edo. G mit von der Partie.

Den Anfang macht ein Skit, in dem MA zusammen mit Fats Belvedere, zweiter Hauptfigur in der Skit-Story, in einem Motel sitzt, während Fats Geld zählt und Ace ihn durch ständiges Reden in den Wahnsinn treibt. "JESUS Christ, would you shut the fuck up? You gonna make me lose count again!". Erster richtiger Track ist "Big city", welcher natürlich dem Big Apple gewidmet ist. Schon hier wird man von Ace's klarem Flow, seinen einfach und doch bezaubernden Rhymes und dem starken Beat voll in den Bann dieses Albums gezogen. "Let me introduce you to some cats who won't shoot you / Everyday they're spinnin' their pen it's so crucial".
Doch was Ace anschließend auspackt, scheint nicht mehr menschlich zu sein. "Good ol' love" darf sich ohne Bedenken zu den besten Songs, die je ihren Weg aus irgendeinem Lautsprecher gefunden haben, zählen. 9th Wonder übertrifft sich hier selbst, dieser Beat ist ganz ohne Zweifel das Beste, was er je von sich gegeben hat (und allein das ist eine große Ehrung). Die härtere Version mit diesem Sample auf Mobb Deep's Hell On Earth hat zwar auch etwas, doch besser als hier wurde dieses Sample nie eingesetzt. Die Atmosphäre die dieser Track erzeugt ist so einmalig, dass es schwer ist, sie in Worte zu fassen. Irgendwo da, wo sich Schönheit, Soul und Melancholie treffen muss sie liegen. Hier ist alles perfekt, von den Backing Vocals von Leschea, die zusammen mit Mr Lee G im Duo eine traumvolle Hook singt, bis zu Ace's Rhymes. Diese drehen sich über die inzwischen verloren gegangene Liebe im HipHop, zur Musik und auch generell. "Hey yo, the world gon' show me some love, listen / And I'm not talkin' 'bout the fakes hugs and kissin' / Fifteen years, a lot of love is missin' / I done already showed I'm not above the dissin'".
Nach einem weiteren Skit, in dem Fats Ace für seine Motivation und Leidenschaft Respekt zollt, gibt es "Da grind". Khrysis schafft hierfür eine sehr entspannte Atmosphäre, die Ace und Apocalypse mit ihren Raps entsprechend veredeln. "I really feel I'm blessed cause I was born with a talent to rhyme / But the stress got me this close to quitting sometimes", so Apocalypse's Einstieg in seinen Part. Die nächste Nummer dreht sich, wie schon dem Titel zu entnehmen, um die "H.O.O.D.". "They got one in every spot on the planet / And if you wasn't raised there you prolly can not stand it". In dieser und ähnlicher Weise beschreibt Ace mit seiner sofort sympathiegewinnenden Stimme seine "Heimat". Dass der Beat ein weiteres Edelstück ist muss gar nicht erwähnt werden.
Im nächsten Skit bezeugt Fats seine Missbilligung gegenüber Ace, der lieber seine Rhymes schreibt als mit ihm loszuziehen. Doch man sollte Ace dafür danken, füllen diese Rhymes doch den nächsten Track, der wieder göttlich ist. "Beautiful", so der kurze Titel. Der Beat stammt von einem so gut wie vollkommen unbekannten Producer (Koolade), doch der zeigt, dass er sein Handwerk versteht. Denn dieser Beat kann fast mit "Good ol love" mithalten, was neben Ace's Raps und Wordsworth's Backing vocals im Chorus größtenteils an der gefühlvollen Produktion liegt.
"F.A.Y.", Kürzel für Fuck all y'all, hat verständlicherweise ein paar Messages bereit, die in vorzüglicherweise von Ace und späterem eMC-Kollegen Stricklin vorgetragen werden. "I hate my neighbors, they always askin' for late night favors / Hate indie labels, especially hate majors / I don't give a fuck no more, fuck this tour / Fuck these shows and these groupies, they all hoes / Hate these rude people stayin' all in my face / And hate the fact that Visa always callin' my place", so ein frustrierter Ace. "Strick told me I should quit player hating, but fuck that I'm not a quitter". Auch Strick liefert einen köstlichen Beitrag: "Yo Strick, you about to blow! - Stop tellin me that / Cause at the end of the day I'm still just a nobody / Cause nobody knows me, no record label chose me". Prinzipiell müsste man die kompletten Lyrics zitieren, denn diese FAY-Einstellung hat für den Hörer durchgehend lustige Lines zu bieten.
Mit "Soda and soap" folgt das nächste Meisterwerk, auf DJ Spinna's hinreißenden Beat droppt Ace ein paar Weisheiten über das Rap-Game und auch das andere Geschlecht, das ganze verpackt in makellosem Story-Telling. "Around 12 o'clock she came out to dance / Had all the guys pushing just to have a chance / To spend a little money trying to see the rest / She was blessed, in an orange crushed velvet dress /But I stayed by the bar cause I already know how it go / I already saw the show / See I went to a club like this in Toronto / And came back from Canada dry with no dough / And ever since then I see and see clear / You never find love in this atmosphere".
"Do it man" ist von dem zu dieser Zeit noch recht unbekannten Marco Polo, einwandfrei, produziert, und ist als erster Track, wenigstens halbwegs, in die Gangsta-Schiene zu stecken. Einen nicht geringen Teil dazu trägt Noyd bei: "I'm from the streets and I'm a G and I know nothing else / Like when there's beef I grap a Tec from the fucking shelve / Stuff it in my jeans step on the scene, ruin your health". Ace formuliert seinen Part etwas anders: "It's like walking through Vietnam / Sorrounded by Americans and dressed like the Vietcong".
Ein Meisterwerk an Story-Telling darf sich der nächste Song nennen, "Brooklyn masala" ist zudem auch noch eine ausgezeichnete Love-Story. "We caught a cab, back to the lab / Stopped kissin long enough to pay the tab / She said "I think we got a nice future" / That night learned all about the Kama Sutra", um der Story ihr Ende vorweg zu nehmen. Auch wenn "Travelocity" von seinem Beat her nicht mit dem Rest mithalten kann, ist es textlich doch höchst unterhaltend, Punch, Words und Ace von diversen, über den ganzen Globus verteilten, Liebschaften berichten zu hören. Das Konzept ist zwar nicht neu, doch die Rhymes machen einiges her. "Cristol-Ann, met her in Bristol man / Had a show with Shauwny-T and Mr. Jam / Listen fam, she had a big rack of lamb / And they caused mad problems like math exams / Ask my man, her tits caused traffic jams".
Textlich tiefsinnger geht es mit "The ways" weiter. Ace äußerst sich verbittert über die Situation im Rap-Game. "Listen, a life in Rap's like a knife in the back" ... "So before you get played out and lose your fame / First you got to learn the ways of the music game". Nach diesem Schlag gegen jegliche Labels und A&Rs holt sich Ace Unterstützung aus Boston, um dem Hörer mit "Wutuwanko" einen weiteren Diamanten anzubieten. Drug Infinite lässt einen simplen Piano Loop über die bedächtigen Drums laufen, und kreiert trotz des Geringen Aufwands eine sehr feine Stimmung, die Ace nutzt, um ein paar Worte loszuwerden. "And nah, I wasn't dissing Ghost / Before you try to spread beef, you should listen close / I gotta watch what I'm yelling fella / 'Cause some fans dumb like Hellen Keller".
Der nächste Track bringt die interessante Kombination aus Ace, den Beatnuts und Roots-Member Rahzel, hervor. "Oh my god" verfügt über einen markanten Beat, einen ebenso eingängigen Refrain, und eine gehörige Portion gute Raps. Anschließend zeigt sich in "Cellmate", dass Ace bereits im Knast sitzt, und seine Geschichte seinem Mitinhaftieren erzählt. Es wird angedeutet, dass Fats "mad time" bekommen hat, und das Gefängnis wohl so schnell nicht verlassen wird, und außerdem deutet Ace an, was er nach seiner Entlassung tun wird. Doch die Geschichte spielt sich in Disposable Arts ab. Letzter Song ist das ruhige und nachdenkliche "Revelations". "At times I don't know who I be / And when I look in the mirror its like I don't know who I see / Am I even moving at all? / Cause I swear I can't tell if my life is improving at all", so Ace's Einstieg. Auch der Beat passt sich diesen Inhalten perfekt an. Das Ende des Albums ist "Out takes", auf den Beat von "Good ol love" gibt es zum Teil herrliche Verpsrecher in den Skits.


Fazit:
Alles an diesem Album schreit nach Klassiker. Dass Masta Ace mit einem Konzept-Album sehr gut harmoniert, zeigte er schon auf "Disposable Arts". Doch "A Long Hot Summer" ist die Perfektion dieser Art von Alben, von denen Ace am besten 10 Stück gemacht hätte. Doch leider kündigte einer der authentischsten Rapper 2004 seinen Ausstieg aus dem Rap-Game an. Zumindest für Solo-Alben. Denn schon 2007 steht er wieder mit seiner Gruppe eMC im Studio und tourt durch Europa. Dieser Mann hat einfach eine Passion für HipHop. "A Long Hot Summer" ist das beste Album der Neuzeit, und muss sich auch vor keinem Klassiker der goldenen Neunziger verstecken.

Gesamtwertung: 10 / 10

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