Sonntag, 21. Oktober 2007

Tragedy Khadafi - The Death Of Tragedy



Tracklist:
1. G-Formation
2. The Truest
3. I Am The Streets
4. Murder By Numbers feat Christ Castro
5. Crime Legacy
6. Sole Dead Brothers feat Jae Hood
7. Militain Mind State
8. Ryder Musik
9. Emaculate G's feat Kool G Rap
10. Intimate Vision
11. Dejavu
12. If You Don't Know
13. 25 To Life feat Christ Castro
14. Elbouhio Of Death
15. Milk Murder (Tribute)
16. Skit
17. Mind State (Bonus) feat Killa Sha


Release: 18. Juni 2007
Label:
25 To Life / Traffic Entertainment


Einen der alten Hasen im Game kann man Tragedy Khadafi inzwischen schon nennen, seit den Juice Crew Zeiten ist er bekannt als einer der Köpfe des Sounds aus Queensbridge, er war maßgeblich beteiligt an Capone-N-Noreaga's erstem Album, The War Report, und setzte bis zum heutigen Tag seinen Sound konsequent fort. In Zeiten in denen es ruhiger geworden ist in der Queensbridge und in der sogar Tragedy's letzte Releases Kritik einstecken mussten, bringt er der Welt sein neues Album, "The Death Of Tragedy".

Mit seinen 35 Minuten Spielzeit und den 16 Songs ist es wohl in Sachen Spieldauer pro Song eines der kürzesten Rap-Alben die je das Licht der Welt erblickten. Die Features sind auch eher eingeschränkt, einzige Gäste sind Kool G Rap, Jae Hood, QB-Homie Killa Sha, und 25 To Life Labelmate Christ Castro.
Eingeleitet wird das ganze von Havoc's einzigem Beitrag, ein 1-minütiges Intro namens "G-formation", welches aber gleich mal sehr deutlich klarstellt was für ein Sound hier schallt. Nahtlos reiht sich "The truest" an das Intro, mit genialem Beat und ebenso guten Lyrics minifestiert Tragedy seine Stellung im Rap game, ist der doch "der Wahrste". "School system said I was mentally incompetent / That was non-sense, I'm just dealin' with a higher conscience". So hat ein Album anzufangen. Mit 1:24 ist das sehr langsame, aber auch sehr gelungene, "I am the streets" fast kein Song, aber so geht es vielen Tracks auf diesem Album, man sollte es nicht in einzelnen Teilen betrachten, sondern als großes ganzes, da die einzelnen Songs meist auch nahtlos ineinander übergehen.
Neuverpflichtung GQ Beats liefert einige Beats auf diesem Album, und auch der nächste, "Murder by numbers", geht auf seine Kappe. Definitiv kein normaler Standard-Beat, doch die Rechnung geht auf, Tragedy kann mit Christ Castro auf einen mehr als nur guten Beat spitten. Trotz seiner 0:44 schafft es "Crime legacy", einen guten Eindruck zu hinterlassen. Tragedy verbreitet sehr gekonnt ein Gefühl, dass dieses Album einer anderen Zeit entstammt. Noch mehr old-school-mäßig kommts mit "Sole dead brothers", die Story dieses Songs geht von einem Raub bis zur halsbrecherischen Flucht. Das Tempo wird wieder etwas rausgenommen, "Militant mind state" ist Tragedy's typischer Mix zwischen Thug-Poetry und Verschwörungstheorien. Wie Dead Prez es nennen würden: Revolutionary but Gangsta. Nur gelingt diese Gratwanderung einem gewissen Mr Tragedy weitaus besser.
"Ryder musik", das mit unglaubichen 3:41eine normale Spiellänge hat, ist gleichzeitig auch längster Track des Albums. Der Beat kommt wieder von GQ Beats, doch diesmal ist nicht die Raffinesse dahinter, und somit bleibt dieser Track trotz ausgezeichneter Lyrics ("You ain't never lived this life, you just playin' a part / This is a art, I don't write, I recite from the heart ") "nur" gut. Um so besser ist der Beat zu "Emaculate G's", einfach nur ein Brett, das von Tragedy und Christ Castro auch angemessen zerlegt wird. Jetzt dreht Tragedy richtig auf, ein traumhafter Beat begleitet das viel zu kruze "Intimate vision", das sicherlich zu den besten Songs des Albums gehört, letztendlich auch deshalb, da es das dringende Bedürfnis auslöst, immer wieder wiederholt zu werden. Was aber gar nicht nötig ist, da Tragedy auf keinen Fall nachlässt.
"Deja vu" ist beatmäßig auf der gleichen Wellenlänge, sehr relaxed, und textlich übertrifft sich Herr Khadafi hier wieder selbst. Bei anfänglichem Hören möchte man auf einen Song, der an Tragedy's große Liebe gerichtet ist, schließen. Nicht zuletzt wegen dem Refrain: "Hey girl I love you, but everybody loves you, do anything I gotta do to show you that my love is true". Schnell stellt sich heraus, dass dieses "Girl" niemand geringerer ist als das Rap-Game, dieser Song ist eine Chronologie von Tragedy's Karriere (wohl genialste Zeile: "They say you killed BIG and Pac but I know it's a lie / You too sweet to coincide with a foul homicide"), seinem Einstieg in der Juice Crew ("Thugs claim they love you, but I'mma show you all ways / I went to Marley, to introduce me to you / Later on I found out you was fuckin' his whole crew / What could I do, to show you that my love is thorough / You moved outta Queens started fuckin with 'em other Boroughs") dem Aufstieg anderer Rapper aus seiner Hood (CNN, Mobb Deep, Nas) und dem East-West-Beef ("Heard your moved to the West Coast and out of the Bridge / Say they more gangsta out there, the way that they live / Plus I broke your heart, now you got nothin' to lose, started fuckin' with some niggaz named Dre and Cube"). Einfach ein Hammer, dieser Song.
Nachdem Tragedy einen Verse auf dem ebenfalls gelungenen "If you don't know" gedroppt hat, schließt das ganze mit "Refrain" auch schon wieder ab, um einem Tribute-Song an das Haus-Label "25 To Life" zu weichen, auf dem Christ Castro natürlich nicht fehlen darf. Sicherlich kein Top-Song auf dem Album, aber sicherlich auch kein Lückenfüller. Es geht weiter, mit bis zur Schmerzensgrenze ausgereiztem Voice Sample ertönt "Elbouhio of death", doch die Rechnung geht auf, auch dieser Song kann auf ganzer Linie überzeugen.
Zum Ende des Albums hin wirds dann aber nochmal richtig böse. "Warrios come out!" lautet der Aufruf zu Beginn von "Milk murder (Tribute)", der Titel ist hier auch Programm, ohne jeglichen Refrain wird hier am Stück eine Salve auf die nächste gespittet. Nach einem 12-Sekunden-Skit läuft das Album auch schon wieder mit seinem letzten Track seinem Ende zu. In den Producer-Credits kann man lesen, dass dieser Track, "Mind state", von niemand anderem als Wu-Element 4th Disciple produziert wurde. Das weckt Vorfreude. Und tatsächlich ist es hier vor allem der Beat, der diesen Track zum besten des Albums macht. 4th Disciple beschwört einen Sound-Sturm herauf, der die Ohren der Hörer in Grund und Boden stampft. Wenn dann noch Tragedy und Killa Sha (niemand anderer würde hier besser passen als Sha mit seiner hellen, schneidenden, Stimme) ihre Parts, einer besser als der andere, beisteuern, entsteht eine deadly combination, bei der es für QB-Fans kein Halten mehr gibt. Sagenhafter Ausstieg.


Fazit:
Das absolut Einzige was man diesem Album vorwerfen könnte, wäre seine kurze Spielzeit. Hat man diese jedoch erst einmal akzeptiert, ist "The Death Of Tragedy" ein einwandfreies Album mit dem Sound den man sich von Tragedy wünscht. Dieser schafft es in Zeiten, in denen Mobb Deep ihre Realness an Geld und die G-Unit verloren haben, ein Noreaga zusammen mit Daddy Yankee in Reggaeton-Songs zu hören ist und in denen die starke Front aus der Queensbridge schon zerfallen ist, einmal mehr, seinen Fans treu zu bleiben und ihnen das zu geben was sie wollen. Ohne langweilig zu werden. Empfehlenswert!

Gesamtwertung: 8.2 / 10

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