Samstag, 20. Oktober 2007

Snowgoons - German Lugers


Tracklist:
01. Heads Or Tails feat. Chief Kamachi, Virtuoso & Jus Allah
02. Who What When Where feat. Celph Titled & Majik Most
03. Never feat. Reef The Lost Cauze
04. Gunz feat. Sean Price, Jus Allah & Doujah Raze
05. Teacher's Trademark feat. Wise Intelligent
06. Thinking About Me feat. Baby Blak
07. No Guts No Glory feat. O.C., Rasco, Reef the Lost Cauze & Wordsworth
08. German Lugers feat. Mitchell Hennessy & Edi Amin
09. Black Woods feat. MED & Living Legends
10. Real World feat. Born Unique
11. Show Love feat. El Da Sensei
12. Man Of The Year feat. Last Emperor
13. It's Yours feat. Afu-Ra
14. Nothin' You Say feat. Edo G
15. Snowgoons Sonata feat. Pumpkinhead
16. No Man's Land feat. Breez Evahflowin
17. Offensive Lineup feat. Craig G
18. Wait A Minute feat. Kreators


Release: 27. Februar 2007
Label:
Babygrande


Die Snowgoons sind ein Produzenten-Team aus Deutschland. Doch ihr Debut-Album, "German Lugers", kommt über Babygrande und kann dank exzellenter Connections eine Liste Features auffahren, bei dem es jedem anderen Produzenten und seinem Producer-Album, und generell auch jedem HipHop-Hörer, die Tränen in die Augen treibt.

Man kann das Aufgebot an Features auch als Who-is-who der US-Underground-Szene beschreiben. Doch der erste Track beginnt auf deutsch. "Kopf oder Zahl?" ertönt die Stimme eines gepitchten Samples. Diese steht dann jedoch nur so lange im Vordergrund, bis die Drums und damit auch Chief Kamachi anfangen loszulegen. Die Snowgoons schaffen es beat-mäßig, mit ihren Drums immer eine charakteristische Marke zu hinterlassen, die sich durch das Album zieht und die ein bisschen fester an die Trommelfelle klopft als bei anderen Beats. Und was die ersten 40 Sekunden ganz nett geklungen hat, wandelt sich schnell ins Gegenteil. "Philly to Boston, Jersey to Germany" rappt Kamachi mit seiner immertiefen Stimme, und spätestens wenn Virtuoso anfängt, den Track in seine Einzelteile zu zerlegen und wenn später Jus Allah mad und grimey wie eh und je dem Hörer den Rest gibt, weiß man, dass sich die Snowgoons hier ein teuflisches Trio eingeladen haben.
Genauso wird das Album auch erstmal weitermachen, was bei Celph Titled und Majik Most auch schon anzunehmen war. "Who, what, when, where" wird kraftvoll im Refrain gebrüllt, und Celph bringt gewohnt starke Lines, gegen die sein Partner leicht blass wirkt. Der nächste Track gehört Reef The Lost Cauze alleine, der Beat ist nicht weniger als ein Juwel. "Never" ist damit als Single-Auskopplung vollkommen gerechtfertigt. "I walk a strip that's narrow with a clique of pharaohs / Splits fifths and barrels in sick apparel / Kids is scarecrows / I roll with Snowgoons and they don't sing Christmas carols" ist nur eine von Reef's starken Lines.
"Gunz" drückt schon fast übetrieben fest auf die Trommelfelle der Hörer, und der Beat wirkt als so ziemlich einziger auf dem Album uninspiriert. Das kann von Sean Price und Doujah Raze gut kaschiert werden. Doch Jus Allah liefert sich hier von lyrischer Seite her einen leichten Aussetzer.
Nicht ganz so aggressiv, sondern dem Poor Righteous Teacher entsrechend ruhiger, zeigt sich "Teacher's trademark", auf dem Wise Intelligent voll überzeugen kann. Weiter auf hohem Niveau befindet sich das von Geigen getragene "Thinking about me", auf dem Baby Blak einen positiven Eindruck hinterlässt.
Anschließend werden 4 großartige MCs auf einem Track vereint, die da O.C., Rasco, Reef und Words wären und über einen gelungenen Beat durchgehend gute Leistung bringen. Für den Titeltrack, "German lugers", holen sich die Snowgoons dann 2 zwischen diesen Hochkarätern sehr unbekannte MCs, Edi Amin und Mitchell Hennessey. Eingeleitet von einem Scarface-Sample können jedoch auch diese zwei eine feurig scharfe Performance hinlegen, die von einem Monster eines Beats unterstützt wird.
WestCoast's finest, die Living Legends, zusammen mit Stones-Throw-Spitter MED alias Medaphoar, dürfen auf "Black woods", das schon wieder von einem exzellenten Beat (diesmal mit gekonnt eingebautem Voice Sample) profitiert, ran. Einen Abstecher nach Virginia wird gemacht, um Born Unique einen Auftritt zu gewähren, der mit seiner markanten Stimme einen weiteren starken Track abrundet.
Doch die Show stielt ihm anschließend dann El Da Sensei, wenn der Mann aus Jersey über einen innovativen und äußerst energischen Beat seine Rap-Künste zeigt. "Show love" reiht sich bei den besten Tracks des Albums ein. Wie auf allen Tracks fallen hier die Snowgoons-typischen Drums nur positiv auf. Noch weitaus erfreulicher ist es, von dem Philadelphia-Talent The Last Emperor mal wieder ein Lebenszeichen zu hören, das mit "Man of the year" auch noch verdammt stark ausfällt. "New world Rapper makin' old world moves / Phantom of the opera meets the Snowgoons". Der aufmerksame Hörer wird sich besonders über das eingecuttete Sample von Nine freuen (nur so am Rande).
Ein weiterer Track nur für einen Rapper folgt. Afu-Ra darf sich über den besten Beat des Albums freuen, und "It's yours" ist dank genialer Lines seitens Afu sicherlich einer der besten, wenn nicht der beste Track. Nach diesem bomastischen Hörgenuss geht die Fahrt weiter und wieder nach Boston, wobei Edo. G auf einen weitaus ruhigeren Beat seine nicht minder guten Raps zum Besten geben darf.
Die Liste der Namen reißt nicht ab. Next in line ist dann Brooklyn Academy-MC Pumpkinhead, der auf "Snowgoons sonata" seine Rhymes auspackt. "In Germany, they love me like Jermaine loves Janet", behauptet der Kürbiskopf über einen Hammer-Beat. Auch der Beat von "No man's land" hat seinen Reiz, auch wenn man sich das Voice-Sample hätte sparen können. Breez Evahflowin vertritt hier die Stronghold-Ecke mit seiner klaren Stimme und macht seine Sache ebensogut wie alle anderen Gäste.
Fast erschreckend, dass bis jetzt die Queensbridge noch nicht vertreten ist, was aber durch den Auftritt von Altmeister Craig G behoben wird. Dieser gibt sich fresh wie vor 15-20 Jahren, und kann von einem weiteren gelungenen Beat profitieren.
Zum Ausstieg liefern die Snowgoons einen ruhigen Beat, mit Gitarre und Flöte einer der besten Beiträge, und die Bostoner Kreators alias G-Squared, XL, Big Juan und Jaysaun bringen zweifelsfrei passende und starke Raps, um dieses Albums würdevoll abzuschließen.


Fazit:
Dieses Album hält, was seine Gästeliste verspricht. Mehr braucht man hier nicht zu sagen. Wohl das beste Producer-Album des Jahres 2007.

Gesamtwertung: 8.6 / 10

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