Samstag, 20. Oktober 2007

Hell Razah - Renaissance Child



Tracklist:
01. Nativity
02. Buried Alive
03. Renaissance feat. Tragedy Khadafi, Timbo King, R.A. the Rugged Man
04. Project Jazz feat. Talib Kweli and Viktor Vaughn
05. Los Pepes Pt. 1 feat. Bronze Nazareth
06. Dear Sistah (Skit)
07. Yours Truly
08. Glow
09. Chain Gang
10. Runaway Sambo
11. Smoking Gunz deat. Killah Priest
12. Millenium Warefare
13. Musical Murdah feat. Ras Kass
14. Maccabee House feat. The Maccabeez
15. Lost Ark
16. Thankful


Release: 20. Februar 2007
Label:
Nature Sounds



Einer der bekanntesten MCs aus dem Umfeld des Wu-Tang Clans nennt sich Hell Razah. Als Mitglied der Sunz Of Man, der Black Market Militia und der Maccabeez fest mit dem Clan verknüpft, schaffte er es jedoch bis zum Jahr 2007 nicht, ein offizielles eigenes Album zu veröffentlichen, dem Street-Album "When All Hell Breaks Loose" und dem Album mit 4th Disciple, "Freedom Of Speech", mal ausgenommen. Doch auf Nature Sounds findet Razah ein zuhause und es steht nichts mehr im Weg von "Renaissance Child".

Hell Razah greift auf eine Reihe unbekannterer Producer zurück, von denen Krohme auf "Nativity" den Anfang macht. Der Beat ist etwas verhalten, während sich inhaltlich Razah's Geburt vollzieht, was anhand von Baby-Schreien nicht zu überhören ist.
Schon zu Beginn stellt sich die Frage, wie genau Hell Razah zu den abrahamitischen Religionen, und dann noch zu den Five Percentern steht, und sofern man ihn nicht gefragt hat, wird sich diese Frage auch nicht beantworten, dem Durchschnitts-Hörer wird ein bisschen von Allem auffallen. Doch das sei mal in den Hintergrund gestellt, hauptsächlich interessiert ja die Musik. Und Razah's nahezu perfekter Flow.
Denn nach dem Intro bahnt sich langsam "Buried alive" an, der dank eines genialen Beats besser nicht zu Hell Razah passen könnte. Überhaupt schallt auf dem ganzen Album, obwohl von den verschiedensten Producern beeinflusst, immer ein ähnlicher Sound, den sich Nature Sounds im letzten Jahr zu Eigen gemacht hat, und das tut dem Album mehr als nur gut. Desweiteren hört man sofort, dass sich Razah's Stimme im Vergleich zu früher verändert hat, sie ist nun tiefer, seriöser, und kommt in gewisser Weise schon der eines Killah Priest nahe.
Und damit wettert er gegen das Rap Game im Allgemeinen ("This rap game want me buried alive") und dann, mit seinen den Track beendenden Worten, gönnt er sich noch einen wohlverdienten Hohn über die Industry und die üblichen Verdächtigen, der es trotzdem wert ist, zitiert zu werden: "This goes out to all them fake ass record companies / And them fake ass record labels / Who thought they was just gon' toss some fuckin' dirt on our grave" und weiter: "We gon' hunt y'all niggaz for the rest of y'all life man / The last niggaz that did some shit to us, the studio burned down / The last label that did some shit to us, they had to file bankrupcy".
Nach dem mehr als gelungenen Einstieg, wird gleich nachgeschoben. Für die nächste Nummer wird ein Viergespann in Person von Timbo King, Tragedy Khadafi, R.A. The Rugged Man und Razah selbst, aufgeboten. Über einen solide starken Beat wird über die "Renaissance" philosophiert. "I'm Ice Cube before he turned soft and went Hollywood". Es ist mal wieder R.A., der hier einen überirdisch guten Part hinlegt.
Ganz anders erklingt anschließend "Project Jazz", dessen Melodie von einem Saxophon gespielt wird, was der ganzen Sache den Titel verdient macht. MF Doom alias Viktor Vaughn, der hier sowohl produziert hat, als auch einen ordentlichen Part hinlegt, zeigt, ebenso wie Talib Kweli, was er kann. Klasse Song. "Make sure you write it on the wall. Make sure it say: Renaissance Child, Talib Kweli, MF Doom, written for the babies".
So, aber jetzt Bühne frei für Bronze Nazareth, der den Hörer mit einem wunderschön gepitchten Sample nach Mittelamerika führt. Die Story, die sich um Verbrechen und ordentlich Geld dreht, wird so gekonnt erzählt, dass sich der Hörer praktisch neben den Erzähler an den Ort des Geschehens versetzt fühlt. Unterstrichen wird das von dem Meisterwerk eines Beats von Bronze.
Nach einem Interlude geht des Album mit "Yours truly" weiter, dem ersten Track, der nicht mit den vorangegangenen Bomben mithalten kann. Doch die leicht orientalisch angehauchten Klänge und überhaupt die Stimmung des Beats lassen hier keinesfalls einen Lückenfüller zu, vielmehr fehlt hier nur wenig zu den Vorgängern.
4th Disciple zeigt sich für den nächsten Beat verantwortlich, auch wenn dies leider Gottes sein einziger Beitrag bleibt. "Glow" ist ein starkes Stück Eastcoast, 4th bringt leicht mystische Klänge auf seine straighten Drums und bietet eine ausgezeichnete Grundlage für Razah's Flow.
Nun führt Razah aber wieder direkt zu den Krachern des Albums. "Chain gang" darf sich Stolz bester Track des Albums nennen, hier passt einfach alles. Der Beat ist, auch wenn jetzt von laut.de geklaut werden muss, einfach nur mit einem Wort zubeschreiben: wuchtig. Nur mit hoher Lautstärke abzuspielen. Ganz abgesehen davon ist dieser Song einer der lyrisch tiefgehendsten und intelligentesten Tracks des neuen Jahrtausends ist. "They had us handcuffed on them sea ships, since the days of Egypt / Now it's sitting in a racist precent" fängt die Geschichte an. Und Razah erläutert Stück für Stück, was alles Teil der Chain Gang ist. "Children of Zion, was choked, by them yokes of Ion / Now they screaming, let bygones be bygones and burnt icons". Wer es schafft, irgendwann von der Repeat-Taste zu gehn, kann mit dem Rest des Albums fortfahren.
Denn das Album macht nicht irgendwie weiter, sondern extrem hochwertig. "Runaway sambo" ist grundlegend die Flucht von Razah als Sklave, doch weitet es sich auch auf politische Themen aus, die von dem sehr starken Beat passend untermalt werden.
Dass man ja nicht dazu kommt, Atem zu holen, folgt nun "Smoking gunnz". Eingeleitet wird dieses Monster von einem Track von einem Sample Charlton Heston's berühmter Rede bei einer der NRA-Versammlungen. Und ebendiese, die National Rifle Association, muss in diesem Track ordentlich einstecken. Natürlich ebenso die US-Regierung "Yo, I'm where projects is crack mansions / It ain't been this real, since the Black Panthers / We ain't the Beatles makin' music for you Charles Mansons / I make a whole college campus since the Mac anthem / 'Til America fall, I stand stronger than the Berlin Wall / My software is warfare for the poor to install", feuert Razah seine Salven.
...and it don't stop. der nächste Banger wartet schon, diesmal Bronze Nazareth's zweiter Beitrag zum Album. "Millenium warfare" ist zwar weitaus ruhiger, jedoch nicht weniger gehaltvoll. Für alle die dem Text nicht zuhören ist der Track trotzdem vollkommen zu empfehlen, da Bronze sich hier im Beat wieder einmal selbst übertrifft. Nächster Halt ist "Musical murdah" mit Ras Kass, seines Zeichens Microphone Fiend. Wer auf geniale Lines hofft, wird nicht enttäuscht sein: "Throw out all your old CDs, me and Hell Razah replaced them".
"Maccabee house"
kann dann als erster Track nicht ganz mithalten, hält sich etwa auf dem Level von "Yours truly" und ist ebenfalls weit von einem Lückenfüller entfernt. Dies liegt diesmal hauptsächlich an den Raps der Maccabeez, Killah Priest, Hell Razah und Timbo King, die die Show retten. Anschließend folgt der nächste Hochkaräter, auf "Lost ark" liefert Krohme einen ausgezeichneten Beat, eine sehr stimmige und gleichzeitig sehr eindringliche Stimmung werden von Razah angemessen mit Raps vollendet.
Es bleibt als letzter Track "Thankful", produziert vom deutschen Beatbastler Shuko, und auch er liefert einen Juwel von einem Beat, kreiert die perfekte Ausstiegstimmung, um diesen Album einen mehr als runden Abschluss zu geben.


Fazit:
Eines DER Alben 2007. Hell Razah und Nature Sounds funktionieren. Für alle, die auch nur annähernd Musik dieser Art schätzen ein Muss, und auch alle anderen sollten dieses Album nicht an sich vorbeiziehen lassen.

Gesamtwertung: 9.0 / 10

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